SMiTHs Essay: „17-Jähriger Amokläufer erschießt an seiner ehemaligen Schule 16 Menschen...
„...und danach sich selbst“
Die Bluttat des Tim K. wird der Gesellschaft und der Welt, wie auch die vorhergehenden Amokläufe in Erfurt und Emsdetten, lange in Erinnerung bleiben und wirft viele Fragen auf. Am größten jedoch ist der Schmerz der Hinterbliebenen, die heute ihre Kinder, Brüder, Schwestern und Freunde verloren haben. Ich möchte es an dieser Stelle nicht verpassen, allen Betroffenen mein aufrichtiges Beileid auszudrücken. Auch die Politik hat sich bereits eingeschaltet und ihre Anteilnahme ausgedrückt.
Was nun, nach dem Ende des Amoklaufs, neben dem Leid übrig bleibt, ist die Frage nach dem warum und danach, was man hätte tun können. Familienministerin von der Leyen hat bereits Maßnahmen angekündigt, wobei natürlich offen bleibt, in wie weit und auf welche Weise diese umgesetzt werden. Populärpolitik hatten wir bereits mehr als genug. Über die Motive wird jetzt, sechs Stunden und 15 Minuten nach dem Tod von Tim K., nur spekuliert. Auffällig oder gar aggressiv habe er sich nie gezeigt. Vielleicht etwas zurückgezogen. „Killerspiele“ habe er keine gespielt und auch sein Musikgeschmack gebe keine Auskunft über seine Gründe: Tim bevorzugte Klassik.
Die wahren Gründe für seine unfassbare Tat werden wohl erst in nächster Zeit oder gar nicht aufgedeckt werden. Doch, wie sollte es anders sein, gibt es jetzt schon Äußerungen (Kommentar Nr. 10 & 16) von Leuten, die es ganz genau wissen müssen, im Internet zu lesen.
Eine regelrechte Hexenjagd auf „Killerspiele“ zeichnet sich bis her nicht ab und ist, selbst wenn Tim K. doch Spiele gespielt haben sollte, die man als eben solche auffassen könnte (wobei eine genaue Definition des Terminus weiterhin fehlt), auch nicht zu erwarten. Zu aufgeklärt ist inzwischen zumindest der interessierte Bürger und zu zahlreich sind die Studien, die sich kritisch mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Dass es stets Leute wie den „kritischen Georg“ mit seinem Kommentar auf der verlinkten Seite vom FOCUS geben wird, steht außer Frage. Auch „Experten“ wie Dr. Pfeiffer, Mitautor des „Kölner Aufrufs“ werden dieses Drama so gut sie können für ihre Sache ausnutzen. Doch von aus der Luft gegriffenen Behauptungen, wie sie anno 2002 z.B. im ZDF zu sehen und zu hören waren, werden wir diesmal wohl verschont bleiben.
Doch auch diesmal werden die Massen nach einem Schuldigen schreien, den man für all das Leid und den schmerz verantwortlich machen kann. Und die Politik wird handeln müssen. Jetzt wird sich zeigen, ob die Regierung bereit ist, den langen, teuren und arbeitsintensiven Weg zu einem Schulsystem zu gehen, das potentielle Amokläufer erkennt, bevor diese überhaupt einen Plan fassen können und ihnen hilft, ihre Probleme konstruktiv zu lösen. Denn eines steht außer Frage: Diese jungen Leute hatten einen Grund für ihre Taten und das sie stets an ihren Schulen zugeschlagen haben, ist gewiss kein Zufall. Und eben dort muss die Prävention stattfinden, eben dort muss etwas geändert werden, will man Tragödien wie die heutige vermeiden.
Alternativ kann man dem Pöbel natürlich auch einen anderen Sündenbock zum Fraße vorwerfen; dieses Mal würde sich das Schützenwesen wieder besonders gut anbieten: Der Vater von Tim ist in einem Sportschützenverein und besitzt legal 16 Schusswaffen. Mit einer von diesen brachte Tim heute Mittag unsägliches Leid über seine Mitmenschen. Es wäre nun leicht, nach einem Verbot von Schusswaffen in Privathaushalten zu schreien. Es wäre nun leicht, jeden Schützen als potentiellen Amokläufer zu betrachten, wie es im Laufe der letzten Jahre mit „Killerspielspielern“ geschehen ist.
Doch sollte unsere Gesellschaft inzwischen nicht gewachsen sein? Sollten wir nicht wissen, dass die Ursache nicht dort zu finden ist? Vorschriftsmäßig in einem Privathaushalt untergebrachte Waffen, stehen niemandem, wirklich niemandem außer dem eigentlichen Besitzer zur Verfügung. Tim muss sich also mit Gewalt oder durch eine Nachlässigkeit seines Vaters Zugang zu der Waffe verschafft haben. Und wer jetzt sagt, dass 16 Waffen in einem Haushalt zu viel seien, möge bedenken, dass Tim genau eine Waffe gebraucht hat, um seine Bluttat durchzuführen.
Was also ist zu tun? Was ist eine effektive Prävention gegen solche Amokläufe? Gibt es eine effektive Prävention? Ich selbst bin kein Soziologe, aber das die Hintergründe für eine solche Tat, bei der der Täter weiß, dass er sie nicht überleben wird, höchst komplex sein müssen. Und ein komplexes Problem hat eine komplexe Behandlung nötig und sollte sie auch bekommen. Es wird nicht leicht sein, Konzepte für ein funktionierendes System zu entwerfen und der gesamte Weg zu einem solchen, ist, wie bereits gesagt, lang und beschwerlich. Aber man darf sich nicht dazu verleiten lassen, übereilt ein Verbot zu erlassen oder irgendeine Entscheidung zu fällen, nur damit man überhaupt etwas getan hat.
Hier und heute wird die Regierung zeigen müssen, ob sie in der Lage ist langfristige und sinnvolle Entscheidungen zu treffen, um Katastrophen wie diese zu verhindern.
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Anmerkung von Alanar: Dieser Eintrag stammt von Kollege SMiTH und wurde auf seine Anfrage hier veröffentlicht.
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Tiuri / Website (17.3.09 00:01) Ein Gastblogeintrag? Das Konzept kommt mir bekannt vor.
Auf jeden Fall ein guter Text zum neuesten Amoklauf, dem ich größtenteils auch zustimmen kann (also dem Text, nicht dem Amoklauf!). Selbstverständlich sind die Gründe für die Tat weder bei Spielen (der Bub hat einen Abend vorher "Far Cry II" gezockt, welch eine Tragödie..) noch der Tatsache dass sein Vater im Schützenverein ist zu suchen. Wenn ich da schon wieder Politiker vorschnell irgendwelche Verbotsforderungen herausschreien höre, könnt ich platzen. Die sagen auch gerne "Wir müssen jetzt schnell handeln" und ich frage mich unweigerlich was es da schnell zu handeln gibt!? So gesehen ist die Situation nicht anders als z.B. 2002 - man hatte also bereits genug Zeit sich Gedanken zu machen, oder? Na wie dem auch sei, zu den Waffen muss ich doch noch was sagen. Ein Spiel ist ein Spiel und kann niemanden töten (da müsste man die Disc jemandem schon SEHR fest an den Kopf werfen..), die Schusswaffe die der Täter benutzt hat kann aber sehr wohl Menschen töten und hat das ja auch in erschreckendem Ausmaß getan. Mal ganz davon abgesehen dass ich niemals Verständnis dafür haben werde dass jemand freiwillig und im Spaß mit Waffen herumhantiert (Schützenverein? So ein Dreck!), find ich's unter aller Sau dass der Vater dem nicht mal volljährigen Sohn das auch noch beigebracht hat. Und für die Nachlässigkeit die Waffe ungesichert im Haus herumliegen zu lassen gehört der Idiot in meinen augen auf das härteste bestraft, denn damit trifft ihn eine Mitschuld an den Morden. Der Typ sollte seines Lebens nicht mehr froh werden, am besten wegsperren! So, das wollte ich mal loswerden. Jetzt geh ich weiter meinen Spaß mit "Killerspielen" haben, denn das tut garantiert niemandem weh. Gruß, Thommy |


