Spoiler Time: Im Glauben liegt die Kraft
Mit der Ankündigung von "Ōkamiden" (und der Tatsache, dass "Tatsunoko vs. Capcom" den finalen Boss des Spiels selber als Chefgegner verwenden möchte) wurde es endlich mal Zeit für mich, "Ōkami" durchzuspielen. Hey, ich war schon im letzten Drittel angelangt, hing im letzten Dungeon ab... Fehlte ja nicht mehr viel. Und so habe ich es auch tatsächlich innerhalb von gut zweieinhalb Stunden zum (in der Wii-Fassung nicht existenten) Abspann geschafft.
"Ōkami" ist schon so ein wunderbares Spiel. Dafür hätte ich es nicht zu einem Abschluss bringen müssen. Es war die Welt, die mich so fasziniert hat. Dieses Sammelsurium verschiedenster japanischer Mythen und Legenden. Und dann kam, vor dem letzten Gefecht, eine Szene, die mich noch einmal richtig erwischt hat.
Jetzt war ich knapp 30 Stunden in Nippon unterwegs und habe auf meiner Reise zahlreiche illustre Gestalten kennengelernt. Wie etwa Susano, der Nachkömmling des legendären Kämpfers Nagi, und S(h)akuya, ein Schutzgeist, aus dem Dorf Kamiki. Der Yakuza-Spatzen-Klan. Das Unterwasser-Völkchen, dessen Namen ich vergessen habe. Den tapferen, wenn auch anfangs leicht fehlgeleiteten Oki aus dem hohen Norden von Kamui. Der Fischersjunge aus dem Agata-Wald. Okay, ich möchte das nicht weiter ausstrecken. Einigen wir uns einfach auf "es gab viele Charaktere, die ich mochte". Und das beschränkt sich nicht nur auf Figuren, die stark in den Plot involviert sind.
Nicht zuletzt ist da Issun, Ammys treuer Sidekick für das ganze Abenteuer. Natürlich wird es immer offensichtlicher, dass die beiden irgendwann getrennte Wege gehen. Issun selbst stellt das gegen Ende ziemlich häufig klar, da sein einziges Ziel das Kopieren der 13 göttlichen Pinseltechniken war. Doch man merkt, dass selbst ihm der letztendlich eintretende Abschied schwerfällt. Doch es geht nicht anders, die beiden Gefährten müssen getrennte Wege gehen. Und sei es nur, weil die Yamato-Arche nur göttliche Wesen an Bord lässt.
Und damit beginnt der erste und auch einzige Abschnitt ohne Issun. Die klassische Boss-Parade, in der fünf bisherige Chefgegner erneut ins Gras beißen dürfen. Ist der Punkt der To-Do-Liste abgehakt, geht's in Richtung Haupt-Event: Der große Herr der Finsternis mit dem bezeichnenden Namen Yami wartet.
Ignorieren wir den Fakt, dass es sich bei besagtem dunklen Lord tatsächlich um einen (im Goldfischglas lebenden) Fisch handelt, der einen kugelförmigen Mech bedient. Machen wir das Kerlchen einfach schnell fertig. Die Lebensenergie des Feindes wandert gen null, es ist fast geschafft. Ein letzter Schlag und das war es.
Der große Böse ist im Eimer, Zeit für die übliche Routine. Issun stachelt Ammy noch einmal extra zum Siegesgeheul an, Ammy folgt... Aber moment, Issun? Der war doch zurückgeblieben? Richtig, das fällt der Göttin in Wolfsgestalt daraufhin auch auf, unterbricht ihre gewohnte Siegesanimation verwundert und stellt fest, dass sie sich Issun nur eingebildet hat. Es folgen einige Sekunden Stille, bevor sie erneut ansetzt...
...nur um von dem noch nicht ganz geplätteten Yami erwischt und (zum zweiten Mal) ihrer gesamten Götterkräfte beraubt zu werden. Zu allem Überfluss setzt eine tiefe Finsternis ein. Jetzt ist guter Rat teuer.
Just in diesem Moment geschieht jedoch etwas. Amaterasu hört erneut Issuns Stimme. Und nicht nur diese. Susano, Herr Mandarine, Kushi, der Pyrotechniker vom Shinshu Feld... Es stellt sich heraus, dass es sich dabei um deren Gebete handelt. Sogar der Chef der Yakuza-Spatzen ist dabei, zur Verwunderung seiner Leibwächter. Wie kommt's? Es ist Issuns Werk. Denn nach seinem unfreiwilligen Bad im See bei Kamui hat er sich auf den Weg gemacht, um Flugblätter zu verteilen. Flugblätter, die den Leuten klarmachen, dass der weiße Wolf, der die letzten Tage in ihrer Umgebung herumgeturnt ist, in wirklichkeit eine Göttin ist. Und bis zu diesem Punkt hat Amaterasu vielen Leuten helfen dürfen, die jetzt von dieser Enthüllung ziemlich überrascht sind. Und jetzt, in der Zeit der Finsternis, bemerken sie, dass Amaterasu in Gefahr ist.
Sie alle beten für Amaterasu, sie stehen hinter ihr, helfen ihr.
Zahlreiche Lichtkugeln erscheinen um Ammy herum, jede repräsentativ für das Gebet eines Menschen aus Nippon. Die Kugeln fahren in ihren Körper und entfesseln ihre wahre Macht. Ammy erhält sämtliche Götterkräfte wieder, inklusive der Fähigkeit, die Sonne heraufzubeschwören - welche die große Schwäche Yamis ist.
Die Szene hätte nicht funktioniert, wenn ich mich nicht so wohl in der Welt von "Ōkami" gefühlt hätte. Ohnehin schon wollte ich diese Welt retten - dank der zahlreichen oben angeführten Charaktere (und noch vielen weiteren!). Doch genau in diesem Moment der Verzweiflung, kurz vor dem Ende, da dreht sich die Situation vollständig. Amaterasu möchte zwar immer noch für die Menschen kämpfen, doch schafft es aus eigener Kraft nicht mehr. Erst der dank Issun wiedererweckte Glaube an Götter ermöglicht es, dass Ammy mit ihrer gesamten Stärke gegen Yami antreten kann. Die Menschen, die man selbst verteidigen wollte, helfen nun Ammy. Das war für mich nur noch ein zusätzlicher Grund, Yami ein für allemal auszuschalten. Und in Kombination mit der wunderbaren Hintergrundmusik während der Gebetsszene ist sie zu einer meiner Lieblingssequenzen dieses fantastischen Spiels geworden.


