Spoiler Time: Mit offensichtlichen Dingen überraschen
Ja, noch eine Runde Spoiler Time. Und ja, noch einmal zu "Tales of Monkey Island". Das Episoden-Adventure hat einfach wirklich tolle Momente. Im vorangegangenen Eintrag habe ich ja bereits angedeutet, dass Kapitel 4 - "The Trial and Execution of Guybrush Threepwood" - einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat. Heute werde ich mal ein wenig genauer auf diese Eindrücke eingehen. Wenig verwunderlich, dass es natürlich hier gemäß der Natur der Kategorie eine Horde wilder SPOILER!!! geben wird.
Telltale hat keinerlei Geheimniskrämerei begonnen, als man sich auf den Namen des vierten "Tales of Monkey Island"-Kapitels einigte. "The Trial and Execution of Guybrush Threepwood". Sagt aus, dass es eine Gerichtsverhandlung und ein Urteil zum Tode für unseren Lieblingspiraten gibt. Und kaum startet man die Episode, ist man auch schon mittendrin in der Verhandlung, die Gybrush wohl den Kopf kosten wird.
Da hilft es auch nicht, dass ausgerechnet Weltklassen-Gestikulierer Stan die Anklage übernimmt. Wenigstens ist er so freundlich, Herrn Threepwood hin und wieder einen kleinen Tipp zu geben. Und so gilt es dann im ersten Teil des Kapitels, die vier bestehenden Zeugenaussagen als Lügen zu entlarven. Das geschieht durch teils ziemlich interessante Rätsel (wie man zum Beispiel eine erstarrte Katze zum Bewegen animiert).
Reden wir nicht um den heißen Brei herum, man schafft es natürlich lebend aus der Verhandlung. Nun gut, hat Telltale sich wohl einen kleinen Spaß mit dem Titel erlaubt und den Spieler auf die falsche Fährte entführt - wenn man davon absieht, dass Guybrush dennoch zum Tode verurteilt wird. Er trägt schließlich die Schuld an den LeChuck-Pocken, die die Karibik plagen. Autsch...
Aber halt, nicht so schnell! Ein paar kleine Wendungen später werden viele Dinge völlig auf den Kopf gestellt. Allein diese Twists wären schon den Eintrag hier wert, allerdings möchte ich auf sie im Speziellen nicht eingehen. Der Fokus liegt nämlich eher auf dem Ende von Kapitel 4.
Und da stehen sie nun, Elaine, Guybrush und unser neuer pseudofranzösischer Antagonist Marquis DeSinge. Ein Puzzle später haben wir La Esponja Grande zum Einsatz bringen und die Pocken eindämmen können. DeSinge selbst hat den Einsatz leider (?) nicht überlebt.
Doch gerade als man glaubt, man hätte die übelsten Dinge überstanden, kommt DER Punkt in "Tales of Monkey Island", der von TVTropes mit dem Begriff Wham Episode erklärt wird: Erzfeind LeChuck taucht auf, übernimmt seine alte Schurkenrolle, es sieht richtig übel aus...
...und er ersticht Guybrush Threepwood, der daraufhin in den Armen Elaines stirbt.
Wow. Ernsthaft, ich habe erst gar nicht so recht verarbeiten können, was hier eigentlich gerade geschehen ist. Das Konzept des Todes in "Monkey Island" ist nichts neues. LeChuck als Geister-/Zombie-/Dämonen-Pirat ist der beste Beweis dafür. Guybrush ist auch schon mal "gestorben", hat sogar einen Totenschein dafür. Aber wir wissen natürlich alle, dass er nicht wirklich tot ist. Hat er in "Curse of Monkey Island" nur vorgetäuscht.
Hier, am Ende von Kapitel 4, ist er ernsthaft und wahrhaftig tot. Gut, natürlich kommt da noch etwas (es wartet schließlich ein ganzes fünftes Kapitel noch darauf, bewältigt zu werden), doch der Schock saß. "Tales of Monkey Island" hatte sich zuvor schon etwas zwar nicht ganz so extremes, aber vergleichbares erlaubt. Doch die Abtrennung von Guybrushs linker Hand ist ein Witz gegen sein frühzeitiges Ableben.
"The Trial and Execution of Guybrush Threepwood" ist ein ziemlich starkes Kapitel und nebst "Lair of the Leviathan" mein persönlicher Lieblingsteil der "Tales of Monkey Island". Es ist erstaunlich, mit welchen überraschenden Enthüllungen Telltale hier auffährt und es sogar schafft, im Namen vorweggenommene Ereignisse so zu tarnen, dass sie den Spieler eiskalt erwischen.


