Open Season in Monsterland


Es ist schon eine lustige Geschichte, die von Capcoms "Monster Hunter"-Reihe. In Japan auf Anhieb ein Bombenerfolg, im Westen jedoch beschränkte sich die Fangemeinde auf eine sehr kleine Gruppe von Leuten. Ein paar PSP-Spiele später hat es Capcom aber doch irgendwie geschafft, "Monster Hunter" hier bekannt zu machen und nun wandert wieder ein Ableger auf eine Heimkonsole. Die Wii, um genau zu sein. Mit Wasserarealen als große Neuerung. Wunderschöner Einstieg in die "Monster Hunter"-Welt für einen Menschen mit Panik vor 3D-Videospiel-Wasserwelten. Eigentlich wollte ich "Monster Hunter 3" (Bzw. "Monster Hunter Tri", wie es gerne genannt werden möchte, um den Trend zum Fremdsprachenuntertitel beizubehalten. Der nur in Japan erschienene zweite Teil heißt etwa offiziell "Monster Hunter Dos".) genau deshalb nun ignorieren, nachdem ich schon leichtes Interesse an dem Titel entwickelt hatte. Kurz vor Release warf ich jedoch den Vorsatz über Bord und just letzte Woche stand das Classic Controller Pro-Bundle auf meinem Schreibtisch. Ob das eine kluge Entscheidung war, trotz der Schwimmeinlagen?

Um gleich sämtliche Spannung zu zerstören: Ja, war es. Und das trotz meiner bisher eher verhaltenen Erfahrungen mit den Demos der "Monster Hunter"-Reihe. An die PS2-Demo des Erstlings kann ich mich nur vage erinnern, konnte dem Titel aber auf jeden Fall nicht wirklich etwas abgewinnen. Die Demo zu "Monster Hunter Freedom Unite" hingegen ist beinhart und die Steuerung suboptimal. Da man die Kamera nämlich stets manuell nachjustieren muss (klingt für verwöhnte Zocker schlimmer, als es eigentlich ist) und man das nur mit dem Steuerkreuz tun kann, ist einiges an Fingerakrobatik gefordert.

"Monster Hunter 3" geht die Dinge aber zum Glück anders an. Die Vollversion jedenfalls. Weiß Gott, wie die Demo war. Erster Pluspunkt: Man wird wirklich langsam und behutsam an das Spiel herangeführt. Es gibt ein ziemlich langes und ausführliches Tutorial, man wird behutsam an sämtliche Sammel- und Jagd-Elemente des Spiels herangeführt und dann, nach vielleicht zwei bis drei Stunden Einarbeitungszeit geht es endlich an die ersten, richtigen Quests. Wobei das auch noch eher mit Vorsicht zu genießen ist, denn die ersten paar Aufgaben sind simple Sammelaufträge. Oder beinhalten die Erlegung von einer Hand voll kleinerer Monster. Beide Varianten dienen allerdings lediglich als Warm-Up, wie sich schon nach einer für mich, mit meiner oben erwähnten Angst, traumatischen Quest schnell herausstellte...



Ein ganz normaler Auftrag. Ich soll Innereien von bestimmten Wassermonstern sammeln. Diese Viecher sind an und für sich freundlich, der Auftrag also nicht der Rede wert. Am großen Teich des Areals angekommen bewege ich mich widerwillig ins Wasser, erlege das erste Biest und schwimme ins nächste Gebiet. Im aktuellen mangelte es an Opfern. Kaum dort angekommen, passierte das hier.



Das sympathische Wesen mit den leuchtend roten Augen? Das ist ein Lagiacrus. Laut Ingame-Enzyklopädie die Spitze der Wassermonster-Nahrungskette. Und das Biest, welches sowohl das Cover der Spielerverpackung ziert als auch der Collector's Edition als Sammelfigur beiliegt. Oh, und habe ich erwähnt, dass es sich dabei um EINEN Lagiacrus handelt, nicht DEN Lagiacrus? Jepp, von den Viechern gibt es anscheinend mehrere. Hilfe!

Seitdem wage ich mich immer widerwilliger in dieses eine bestimmte Gewässer. Musste sogar meinen ganzen Mut zusammenkratzen, um in ein Areal noch weiter dahinter zu gelangen. Dort war nämlich ein Erz, das ich für eine bestimmte Rüstung gebraucht habe. Bisher bin ich zum Glück noch nicht wieder auf das Vieh gestoßen. Aber ich befürchte jedes Mal auf's neue, dass es plötzlich erscheint und mich umnietet...



Aber genug von meinen Phobien, zurück zum weiteren Spiel. Denn irgendeinen Grund muss es haben, dass ich "Monster Hunter 3" nun bereits gute 15 Stunden gezockt habe. Ganz ehrlich, eine wirkliche Erklärung habe ich nicht. Eigentlich ist es purer Grind. Man erledigt Quests, um letztenendes neue Ausrüstung freizuschalten, für die wiederum Rohstoffe benötigt werden, die man wiederum über Quests oder freie Expeditionen sammelt, um dann mit dem neuen Zeug größere Monster zu zerhauen und den ganzen Kreislauf zu wiederholen.

Es ist wohl die Art und Weise, wie sich der ganze Prozess entfaltet. Okay, die kleineren Monster sind schnell aus dem Weg geschaufelt. Ein paar gezielte Schwerthiebe und es hat sich mit den Biestern. Das Highlight jedoch, und auch der Teil, der "Monster Hunter 3" mächtig schwer macht, sind die Kämpfe gegen Großmonster. Diese Jungs erfordern nämlich Ausdauer und Taktik. Sie wollen nach und nach geschwächt und ihre kleinen visuellen Hinweise (Sabbern, Humpeln etc.) gelesen sowie interpretiert werden. Auch gilt es, ihre Schwachstellen auszumachen. Welchem Element gegenüber sind sie schwach? Wo verursachen Angriffe den meisten Schaden? Welche Körpermerkmale kann ich zerschlagen, um mir den Kampf einfacher zu machen und Bonus-Beute abzustauben? All das muss man im Kampf mit den großen Bestien beachten. Und wenn man nicht selbst drauf kommt, muss man eben einen Guide im Internet zu Rate ziehen. Eines ist jedoch sicher: Für den durchschnittlichen Gelegenheitsspieler eignet sich "Monster Hunter 3" nicht.



Sollte einem die einsame Jagd langweilig werden (auch wenn man recht schnell einen CPU-Kollegen als kleine Hilfe kriegt), kann man auch online gehen. Ja, es gibt tatsächlich noch Wii-Entwickler, die die Onlinekapazitäten der Konsole für Online-Koop nutzen! Und da Capcom auf die Nutzung der Nintendo WiFi Connection verzichtet und stattdessen einen eigenen Service anbietet, fallen sogar einige wohlbekannte Nintendo-Restriktionen raus. Freundesanfragen werden unkompliziert über eine sechsstellige ID oder den Usernamen geregelt, per Software- oder USB-Tastatur kann man sich mit seinen Kameraden unterhalten und per WiiSpeak ist sogar Sprachchat möglich. Der Questkatalog online unterscheidet sich ebenfalls stark von dem offline verfügbaren. Außerdem sind die Aufgaben, da man schließlich mit bis zu vier Spielern losziehen kann, wesentlich kniffliger. So wirklich großartig ausprobiert habe ich den Online-Modus bisher allerdings nicht. Die kleine zweistündige Runde, die ich mit zwei anderen Jägern verbracht habe, hat aber durchaus Spaß gemacht und funktionierte ohne jegliche Verbindungsprobleme.

Insgesamt habe ich an "Monster Hunter 3" bisher nichts auszusetzen. Klar, die Kämpfe mit den Großmonstern sind schwer und dauern lange, dafür ist das Erfolgserlebnis allerdings umso größer, wenn das Biest endlich fällt. Die Steuerung per Classic Controller funktioniert im Vergleich zur PSP-Fassung wesentlich besser, was vor allem der Kamerabedienung mit dem zweiten Analogstick zu verdanken ist. Da ich allerdings fortschrittstechnisch noch nicht viel geleistet habe (bin gerade bei den Rang-3-Quests und kenne läppische zwei Großmonster), kann sich das vielleicht noch ändern. Bis es so weit ist, begebe ich mich aber weiterhin auf die Jagd. Schließlich will ich mir noch die Materialien für die Qurupeco-Rüstung beschaffen...

Oh, und wer sich gerne meine ersten Gehversuche mit "Monster Hunter 3" anschauen und einen Blick auf das umfangreiche Tutorial werfen möchte, der kann sich ja gerne mein kleines Einstiegsvideo zum Spiel anschauen. Bringt jedoch ein bisschen Zeit mit, das Filmchen erstreckt sich über neun Teile mit jeweils etwa neun bis zehn Minuten Spielzeit.

6.5.10 22:28

bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


TheAstonishingRedFerret (8.5.10 21:43)
Ich finds immer noch schade, dass sie keinen lokalen 4 Spieler modus eingebaut haben...


Alanar / Website (8.5.10 23:55)
@TheAstonishingRedFerret (ah, ich sehe einen Running Gag in seiner Aufbauphase):
Stimmt schon. Andererseits ist es aufgrund von technischen Limitationen auch nachvollziehbar. Capcom müsste einiges an der Struktur des Spiels ändern, um lokalen Multiplayer im Hauptmodus zu ermöglichen. Und mit vier Spielern auf einem Bildschirm könnte es ein klein wenig unübersichtlich werden - ist schließlich auch eine Menge Menü-Arbeit mit im Spiel.

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